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Immer am Ball

Hochwassergefahren 

i. Z. m. der Ansiedlung der Schrotthandlung Theo Steil am Godorfer Hafen

Herr Thomas Kahlix von der ´Bürgerinitiative Hochwasser´ aus Rodenkirchen hat mir nachstehenden Text und einige Unterlagen zur Verfügung gestellt:

Bei einem – aus Sicht der IG Hochwasser – noch lange nicht „extremen“ Hochwasser wird die Shell fast komplett geflutet. Das Hochwasser läuft im Norden wieder heraus in den Hahnwald und das Gewerbegebiet (und weiter nach Rodenkirchen und Hochkirchen/Verteiler Richtung Raderthal/Zollstock). Das Wasser folgt den nacheiszeitlichen Hochflutrinnen.
Das heißt: Ein meterhohes Durchfluten des Betriebsgeländes zusammen mit einem dadurch ausgelösten Störfall kann Auswirkungen bis nach Köln haben.
Es ist nur billig, für diesen Fall eine sorgfältige Risikoanalyse und einen Katastrophenplan zu fordern. (Worst-case-Szenarien)
Erst dann kann verantwortungsbewusst entschieden werden, ob das Ansinnen überhaupt zulässig ist oder welche Neben- und Zusatzbestimmungen für die Genehmigung erforderlich sind. 
Zum Schutz der Allgemeinheit.

Schrottverwertung im Godorfer Hafen? - Nicht auf Kosten der Sicherheit der Sürther!

Bürgerinitiative Hochwasser fordert Studie

Aus Sicht der Hochwassergefahren (und damit auch für die BI Hochwasser) ist beachtlich, welche Auswirkungen die geplanten Umbauten (Wälle, Gebäude, Lärmschutzwände) für den Extremhochwasserabfluss haben und was das für die Risikoabschätzung bedeutet.

Richtig ist, dass noch nichts Genaues bekannt ist. Die Firma Steil hat jedoch in den bereits stattgefundenen Vorgesprächen, zuletzt bei der Veranstaltung in Sürth im Mai 2018 sehr offen über einige der geplanten Eingriffe informiert. So soll das Betriebsgelände Richtung Sürth mit einer 6 Meter hohen massiven Schallschutzwand aus Beton abgeschlossen werden (Rote Linie in den Skizzen) Auf der Fläche davor (oberstrom) werden bis zu 17 m hohe Gebäude errichtet und Metallschrott zwischengelagert.  (Hinweis: Die Angaben in Metern wurden ergänzt.)

Nun ist es gut zu wissen: Das gesamte Gelände befindet sich im sogenannten „festgesetzten Überschwemmungsgebiet“ des Rheins, das der Gesetzgeber nicht ohne guten Grund unter besonderen Schutz gestellt hat. Eigentlich darf dort nichts gemacht werden; falls doch, ist „insbesondere zu berücksichtigen:
(1) die Vermeidung nachteiliger Auswirkungen auf Oberlieger und Unterlieger,
(2) die Vermeidung der Beeinträchtigung des bestehenden Hochwasserschutzes und
(3) die hochwasserangepasste Errichtung von Bauvorhaben“      [§ 78 (3) Wasserhaushaltsgesetz]

Man stelle sich nämlich folgendes Szenario vor:
Januar 2025. Großes Rheinhochwasser. Pegelstand um 11,90 Meter. Das ist die Schutzhöhe im Bereich Godorf und im größten Teil der Stadt (nicht hier im Süden; da sind es nur 11,30 m). Statistisch kommt dieses HQ200-Ereignis einmal in 200 Jahren vor. Nördlich von Köln ist man bis HQ500 sicher.
Teile von Weiß und Rodenkirchen stehen also schon unter Wasser. Im Godorfer Hafen strömt der Rhein bis zu zwei Meter hoch durch die Anlagen und die Sürther Aue – wegen der Prallhanglage in der engen Rechtskurve mit erhöhter Geschwindigkeit und viel Treibgut. Die Firma Steil mit ihren Aufbauten und Schrottbergen stellt schon ein Hindernis dar, aber das ist nicht vergleichbar mit der langen und hohen Schallschutzmauer quer zum Strom. Wie an einem Felsbrocken in einem Bergbach staut sich das Wasser und umrundet das Hindernis mit noch höherer Geschwindigkeit. Der Rheinpegel steigt höher an als ohne das Hindernis. Die Schienen der Linie 16 und die alte B 9 sind längst Teil des reißenden Stroms, der den Wall zur SHELL überwindet und das Werksgelände flutet. Das ist aber noch nicht alles: Hinterläufigkeit droht.

Um das zu verstehen, muss man sich klarmachen: Der Rhein hat auch in Köln immer noch Gefälle; einen Meter auf fünf Kilometer. Die Stadt Köln ist also vergröbert gesehen eine schiefe Ebene längs des Rheins – in Worringen acht Meter tiefer als in Godorf…

Zurück zum Thema: Das nördliche Ende des SHELL-Geländes liegt ungefähr anderthalb Meter tiefer als der Bereich oben am Godorfer Hafen. Hochwasser, das oben eindringt, läuft wie aus einem schiefstehenden Suppenteller unten wieder raus. Unten, das ist Sürth, Gewerbegebiet Emil-Hoffmann-Straße und Hahnwald. Bereiche, die bisher noch ganz oder teilweise trocken geblieben sind. Es ist nicht übertrieben, zu vermuten: Das wäre für Viele die persönliche Katastrophe, wenn nicht der Ruin. Vielleicht auch der letzte Anstoß, sich gegen Elementarschäden endlich zu versichern!
Welche Folgen eine verfrühte Flutung der noch laufenden (also heißen) Reaktoren der Raffinerie haben können, ist hier gar nicht berücksichtigt. Nicht auszumalen, was passieren kann, wenn Chemieanlagen hochgingen…
Zur Klarstellung: Was hier ausgebreitet wird, sind begründete Vermutungen, von denen wir nicht wissen, ob diese auch in Politik und Behörden überhaupt gesehen – geschweige denn beachtet werden.
Fazit: Es ist durchaus möglich, dass der Umzug der Firma Steil das Risiko einer schweren Hochwasserschädigung hier im Süden vergrößert. Im günstigsten Fall müssten die Genehmigungsbehörden solche Ereignisse zum Wohle der Allgemeinheit verhindern, entweder durch entsprechende Vorsorge oder durch Versagen der Genehmigung.
Aber Vorsicht!
Vielleicht erinnern sich noch Einige an die Planfeststellung zur Erweiterungsplanung des Godorfer Hafens. Die Bezirksregierung Köln hatte zum Ausgleich für verloren gehenden Rückhalteraum Ausgleich in Worringen (!) verfügt. Also kein Ausgleich am Ort des Eingriffs, sondern der Offenbarungseid fundamentaler Inkompetenz. Nun wissen die Leute auch, dass die von der Aktionsgemeinschaft angerufene Verwaltungsgerichtsbarkeit in letzter Instanz die Ausbaupläne gestoppt hat…
Aber -  wer hat nun die Ansiedlung des Schrottverwerters im Hafen zu genehmigen!
Genau: Die Bezirksregierung Köln!
Da ist es an der Zeit, ein wachsames Auge zu behalten und Risikostudien unabhängiger Wissenschaft einzufordern. Denn was hier an groben Skizzen zu sehen ist, sind nichts anderes als die Befürchtungen von hochwasserbetroffenen Laien, die sich allerdings in den 25 Jahren seit dem Hochwasser 1993 kundig gemacht haben. Und mit ihren Einsprüchen bisher sachlich noch nie falsch gelegen haben.

(Text von Thomas Kahlix, BI Hochwasser, in der Soretha im Oktober 2018)