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Immer am Ball

Schreiben vom 06.04.2020 an die

Bezirksregierung Köln   

Dez. 52

50606 Köln


Hinweise im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren (Az.: 52.03.01-0040/18/11.0-Schn) sowie zu der beantragten wasserrechtlichen Erlaubnis (Az.: 54.1-3.2-(11.0)-72-So) für die Fa. Theo Steil GmbH

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Mitglieder und Unterstützer der „Anliegergemeinschaft Sürther Aue“ haben mit Schreiben vom 04.10.2019 Einwendungen erhoben gegen das

·      immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für die Fa. Theo Steil GmbH (Errichtung und Betrieb einer Metallrecycling Niederlassung mit Umschlag-, Lager- und Behandlungsanlagen für Eisen- und Nichteisenschrotte) sowie

·      gegen die von der Firma Theo Steil GmbH beantragte wasserrechtliche Erlaubnis nach § 8 des Wasserhaushaltsgesetzes (WGH).

Ziel der „Anliegergemeinschaft Sürther Aue“, ebenso wie der Initiativen `für sürth´ und `AG Hafen´, ist der „bestmögliche Schutz für die Anlieger“. In der Anliegergemeinschaft sind mittlerweile 93 Mitglieder organisiert. In den bisher vorliegenden Antragsunterlagen der Firma Theo Steil werden jedoch die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur durch die Ansiedlung der Schrotthandlung nicht ausreichend ermittelt, beschrieben und bewertet. Im Ergebnis werden wir nicht genug geschützt. Solange dies der Fall ist, ist die Verhinderung der Ansiedlung unser Ziel.

In diesem Zusammenhang begrüßen wir es sehr, dass die Bezirksregierung Köln nun doch eine Umweltverträglichkeitsprüfung für erforderlich hält. Um nicht erst nach öffentlicher Auslegung der Unterlagen neue Einwendungen einbringen zu müssen und damit das Verfahren unnötig zu verzögern, möchten wir Ihnen mit diesem Schreiben weitere Informationen und Erkenntnisse übersenden, die in das Verfahren einfließen sollten. Dennoch bitten wir Sie, die nachstehenden Ausführungen wie Einwendungen zu behandeln. Darüber hinaus bitten wir um Mitteilung, zu welchem Zeitpunkt das Verfahren im UVP-Portal veröffentlicht wird, um den Zugang der Öffentlichkeit zum Verfahren zu erleichtern.

Neue Hinweise und Erkenntnisse:

1.   Hochwasserschutzkonzept Stadt Köln

Im Urteil des Verwaltungsgericht Köln, 14 K 4719/06 vom 11.08.2009, in dem der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Hafens Köln-Godorf  um ein weiteres Hafenbecken (Becken IV) vom 30. August 2006 aufgehoben wurde, wird auf eine Stellungnahme der Stadt Köln vom 20.01.2006 hingewiesen (Beiakte 3 Bl. 161 ff., 163).

Danach sieht das Hochwasserschutzkonzept Köln für Gebiete, bei denen bei Hochwasser ein besonders hoher Schaden entsteht, einen sog. zweihundertjährlichen Schutz vor. Dies gelte auch für ein Bauvorhaben mit der Lagerung wassergefährdender Stoffe. Deshalb sei bei der Planung für ein Bauvorhaben mit der Lagerung wassergefährdender Stoffe mindestens ein zweihundertjährliches Hochwasser zu Grunde zu legen  und ein entsprechender Maßnahmeplan zu erstellen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass im Planungsgebiet Deutzer Hafen, aus dem die Fa. Steil in den Godorfer Hafen verlegt werden soll und auch für die SHELL Godorf ein zweihundertjährliches Hochwasser zu Grunde gelegt wird und im Godorfer Hafen nicht. Hier wäre die Umsetzung eines entsprechenden Maßnahmenplanes vor einer Ansiedlung der Schrotthandlung Steil mit deutlich weniger Aufwand zu realisieren.

2.   Lärmaktionsplan der Stadt Köln

Lt. Tabelle 5 des Lärmaktionsplanes der Stadt Köln (stadt-koeln.de/mediaasset/Content/pdf57; Tabelle 5 ifu Anlagen und Häfen.pdf) ist die Fa. Steil mit einer Schallleistung von 115 Lw dB(A) der lauteste Betrieb in Köln (s. Anlage 1)!

Daher weisen wir darauf hin, dass die Maßnahmen und Vorgaben des Lärmaktionsplans bzw. der Fortschreibung des Lärmaktionsplanes für die Stadt Köln einzuhalten sind!

Die bisherigen Versuche, in den bisher vorgelegten Gutachten deutlich niedrigere Werte als glaubhaft zu vermitteln, müssen vor diesem Hintergrund ebenso scheitern wie der Versuch, eine hohe Anzahl von Betriebsstunden zu beantragen, damit die Mittelwerte der Emissionen unterhalb der vorgeschriebenen Immissionswerte liegen!

3.   Staubbelastung

Die Anliegergemeinschaft fragt sich, warum der Staub lediglich nach VDI 3790 Blatt 4 (Fahrzeugbewegungen) und nicht auch nach Blatt 3 (Schüttgut) geprüft werden muss.

4.   Umrechnung der Lärm- bzw. Staubbelästigungen auf die Betriebszeiten

Wir haben bereits in unserem Schreiben vom 04.10.2019 beanstandet, dass die Fa. Steil eine Betriebszeit von Mo. - Sa. von 6:00 bis 22:00 Uhr beantragt hat. Dies erfolgte lt. Herr Satlow (Geschäftsführer der Fa. Steil) bei der Bürgerinformation am 29.08.19 vorsorglich, um im Ausnahmefall flexibel sein zu können. So würden auch in Köln-Deutz an Samstagen überwiegend nur Reparaturarbeiten durchgeführt.

In unserer EINWENDUNG 40 (Betriebszeiten) forderten wir, dass die Betriebszeiten an die tatsächlich notwendigen Zeiten angepasst werden sollen!

Laut Immissionsprognose für Staub entsprechen die dort aufgeführten Staubfrachten Mittelwerten über die Betriebsstunden der geplanten Anlage pro Jahr (4.800 h/a). Auch hier wurde offensichtlich eine hohe Anzahl von Betriebsstunden beantragt, damit die Mittelwerte der Emissionen unterhalb der vorgeschriebenen Immissionswerte liegen!

Unsere Vermutungen werden bestätigt durch zwei ähnliche Vorgänge:

a.   Regensburg / Weichs

Im Regensburger Stadtteil Weichs kämpfen die Anwohner schon länger gegen Lärmbelästigungen durch den Schrotthandel Brener und erhalten dort Rückendeckung durch den Bürgerverein Nord. Mitte Dezember berichtete die „Mittelbayerische“ exklusiv, dass die Anwohner seit vielen Jahren unter Krach leiden, der auf dem Betriebsgelände der Brenner GmbH entsteht. Ihre Lebensqualität sei dadurch massiv beeinträchtigt.

Messungen durch das Umweltamt bzw. den TÜV haben zwar ergeben, dass Unternehmer Michel Brenner in der Regel die zulässigen Grenzwerte für ein Mischgebiet einhält; dies ist nach neueren Informationen aber nur deshalb der Fall, weil der Lärm, den er während seiner Betriebszeiten (07:30 Uhr bis 16:30 Uhr) produziert, auf die gesamte für ein Gewerbegebiet zulässige Tageszeit (06:00 bis 22:00 Uhr umgerechnet wird!

b.   Grenzach-Whylen

Auf der Webseite der Betroffenengemeinschaft Grenzach-Whylen ist ein Lärmgutachten der Uni zur Lärmbelastung bei der Schrottverwertung und der Bewertung von Lärmschutzmaßnahmen zu finden. Das Gutachten liegt uns vor. Von den Erfahrungen kann man sicherlich profitieren.

Das Genehmigungsverfahren war hier zweigeteilt in Verarbeitung und Verladung. Die Firma Steil beantragt für Godorf die Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb einer trimodalen Anlage, dort steht nichts von Umschlagarbeiten. Im Lärmgutachten der Uni sind beide Tätigkeiten als lärmintensiv beschrieben, in der Betrachtung von Steil wird dieser Lärm nicht wiedergegeben! Hierauf müsste für eine objektive Betrachtung gedrängt werden!

5.   Erweiterung der Jahresleistung (Umschlagsmenge) der Fa. Steil?

Lt. Angaben von Herrn Dr. Satlow (Protokolle 15.09.2017, 29.05.2018) anlässlich einer Bürgerinformationen erfolgt der Input überwiegend per Lkw. Einmal werden rund 100 An-/Abfahrten täglich genannt, an anderer Stelle wird von 32 Lkws täglich gesprochen. Bei einer Maximalladung von 30 Tonnen und 32 Fahrten 5 Tage in der Woche ergibt sich ein Input per Straße von 4.800 Tonnen wöchentlich bzw. 249.600 Tonnen jährlich.

Der Output erfolgt lt. Herrn D. Satlow überwiegend per Schiff und Bahn. Es werden 5 Waggons pro Tag à 50 Tonnen genannt, ergibt bei 5 Tagen in der Woche 1.250 Tonnen, im Jahr 65.000 Tonnen. Dazu kommen maximal 2 Schiffe pro Woche à 2.500 bis 3.000 Tonnen, ergibt 5.000 Tonnen (bis 6.000 Tonnen), im Jahr 260.000 (bis 312.000) Tonnen.

Aus den genannten Zahlen ergibt sich eine Differenz zwischen Input und Output. Es gibt noch zusätzlichen Input über Bahn (Sonderfahrzeugzerlegung, Eisenbahnschienen).

Bei dem ermittelten Output ergibt sich eine Differenz von genannter Umschlagskapazität 133.000 Tonnen zu den ermittelten Werten Input 249.600 und Output von bis zu 325.000 Tonnen. Addiert man In- und Output ergibt sich ein Wert von 574.600, daraus resultiert ein Umschlag von 287.300 to/a. Ein höherer Umschlagswert ist relevant für die Lärm-/Staubbetrachtung (s. Tabelle).

pro Woche

Lkw

Bahn

Schiff

Summe

Input

4800

 

4800

Output (Durchschnitt)

 

            1250

5000

6250

pro Jahr

Lkw

Bahn

Schiff

Summe

Input

249600

 

 

249600

Output (Durchschnitt)

 

65000

260000

325000

6. Organisation der Fa. Steil

Hafenbetreiber in Köln ist die Theo Steil GmbH Schrott- und Metallgroßhandel. 

Theo Steil hat eine neue Internetpräsenz. Organisatorisch sind die LKW in ein eigenes Unternehmen mit Dispo eingegliedert worden, sie gehören nicht zu Theo Steil GmbH Schrott- und Metallgroßhandel. Falls über diesen Zweig der Output erfolgt, muss er auch entsprechend eingerechnet werden.

7.   Domino-Effekt

Der § 15 der Störfallverordnung (Domino-Effekt) lautet (auszugsweise):

„Die zuständige Behörde hat gegenüber den Betreibern festzustellen, bei welchen Betriebsbereichen oder Gruppen von Betriebsbereichen aufgrund ihres Standortes, ihres gegenseitigen Abstands und der in ihren Anlagen vorhandenen gefährlichen Stoffen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit von Störfällen bestehen kann oder diese Störfälle folgenschwerer sein können.

Zielsetzung dieses Paragraphen ist es, dass wenn ein Domino-Effekt möglich ist, zwischen den betroffenen Betreibern

·      ein geeigneter Austausch der sachdienlichen Informationen stattfindet,

·      die Konzepte zur Verhinderung von Störfällen und die Sicherheitsmanagementsysteme angepasst werden,

·      die Sicherheitsberichte sowie die internen Alarm- und Gefahrenabwehrpläne entsprechend überarbeitet werden,

·      eine Zusammenarbeit, die Unterrichtung der Öffentlichkeit sowie die Übermittlung von Angaben an die zuständigen Behörden im Hinblick auf die Erstellung der externen Alarm- und Gefahrenabwehrpläne betreffend, vorgesehen wird.

Die Gefahren, die von einem Störfall ausgehen können, sind:

·      Emissionen, aufgrund ihrer Toxizität,

·      Explosionen mit der Druckwelle, dem Feuerball sowie dem Trümmerflug,

·      Brände, vorrangig aufgrund der Gefahr der Brandausweitung (Strahlungswärme).

Wenn ein Betriebsbereich als Domino-Betrieb eingestuft worden ist, sollte aus dem Sicherheitsbericht, dem Konzept zur Verhinderung von Störfällen, der Darstellung des Sicherheitsmanagements und den internen Alarm- und Gefahrenabwehrplänen ersichtlich sein, dass die möglichen Gefahren berücksichtigt worden sind.“

Aus unserer Sicht besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit von Störfällen, die folgenschwer sein können. Insoweit ist von einem „Domino-Effekt“ auszugehen und Entsprechendes zu veranlassen.

Nachweise für Störfallgefahren im Zusammenhang mit Fa. Steil: 

a.   Bürgerverein Pfalzel e.V.

Der Bürgerverein Pfalzel e.V. setzt sich mit Lärm und Staub im Trierer Hafen auseinander (http://www.buergerverein-pfalzel.de/html/mitteilungen_des_bv.html).

Beispiel: Bürgerverein Pfalzel e.V.: Wieder Brand bei Firma Steil am 27.10.2018

„Am Samstag, den 27.10.2018, gegen 13:00 Uhr, brannte es erneut auf dem Firmengelände der Firma Steil. Am Montag berichtete der Trierische Volksfreund mit wenigen Sätzen über das Ereignis, ohne jedoch das betroffene Unternehmen zu nennen. Im Einsatz waren je ein Löschzug der Feuerwachen 1 und 2, sowie die der freiwilligen Feuerwehren Pfalzel und Ehrang. 30 Einsatzkräfte haben den Brand bekämpft. Vor Ort hat es eine starke Rauchentwicklung gegeben…

Bereits 2007 hatten wir wegen verschiedener Brände einen Schriftwechsel mit der Stadt Trier und der SGD Nord. Danach haben wir ständig über neue Ereignisse informiert. Geändert hat sich nach unserem Eindruck nichts.

Infolge ständig wachsender Berge von Schredderfraktionen sind die Brände der letzten beiden Jahre teilweise schwerwiegend gewesen. Die Häufigkeit ist nicht zurück gegangen. Die Kosten der Feuerwehr-Einsätze trägt vermutlich - genau wie damals - die Allgemeinheit.

Die Liste der Brände bei dieser Firma allein in den letzten beiden Jahren wird immer länger. Dass inzwischen eine Feuerwache in unmittelbarer Nähe zu diesem Einsatzort eingerichtet wurde, kann nicht wirklich beruhigen. Bilder von einem mehrtägigen Brand in einer Schredderanlage in Herbertingen oder jüngst bei Remondis in Luxemburg bleiben haften und zeigen auf, dass Brände in solchen Recycling-Anlagen sehr schnell kaum noch zu bekämpfen sind. Nach unserer Überzeugung muss deutlich mehr dafür getan werden, dass solche Vorfälle gar nicht erst entstehen können.“

b.   Meldung der "DIE RHEINPFALZ" vom 23.01.2020:

"Bei dem Recyclingunternehmen Steil in Ludwigshafen kam es am Mittwoch (23.01.2020) gegen 12.30 Uhr zu einem Chemieunfall am Kaiserwörthhafen. Dabei wurden neun Mitarbeiter verletzt, sieben Personen, die über Kopfschmerzen und Reizungen der Haut und der Atemwege klagten, kamen vorsorglich ins Krankenhaus, wie die Polizei informierte. Das Gelände wurde zeitweise geräumt. Bei der Zerkleinerung von Metallschrott in einer Presse sei es zu einem gasförmigem, säurehaltigem Produktaustritt aus einem 50-Liter-Metallfass gekommen. Noch dauerten die Ermittlungen zu dem Produkt und dem Verursacher an."

8.   Einleitung von gereinigtem Regen/Wasser von den Ober- und Dachflächen

Beim nochmaligen Lesen der Bekanntmachung im Amtsblatt war festzustellen, dass von Einleitung von gereinigtem Regen/Wasser von den Ober- und Dachflächen gesprochen wird. In der Veröffentlichung des Antrags bei der Stadt wird unterschieden in Einleitungen gereinigt von Oberflächen, ungereinigt von Dachflächen. In einer Genehmigung von einem anderen Schrottverwerter ist auch die Einleitung vom Dach in gereinigtem Zustand angeordnet worden, bei rund 1.500 m² Fläche fällt die benötigte Anlage und der Rückhalteraum dadurch größer und teurer aus.

9.   Wasserrechtlicher Erlaubnisantrag

Seite 251, Amtsblatt vom 22.07.2019: Der wasserrechtliche Erlaubnisantrag beinhaltet folgende erlaubnispflichtige Maßnahmen: – die Einleitung von max. 123 l/s Niederschlagswasser der Dachflächen über die Einleitstelle E in den Rhein – die Einleitung von max. 100 l/s verschmutztem Niederschlagswasser der Platzflächen nach Behandlung in einem Lamellenklärer über die Einleitstelle E in den Rhein – die Einleitung von max. 2,57 l/s häuslichem Abwasser nach Behandlung in einer Kleinkläranlage über die Einleitstelle E in den Rhein.

Seite 253, Amtsblatt vom 22.07.2019: Eine Gefährdung des Wassers durch wassergefährdende Stoffe ist ebenfalls nicht zu besorgen, da die Anlage nach den Vorgaben der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) entsprechend errichtet und betrieben wird. Niederschlagswasser von Dach- und Betriebsflächen werden vor der Einleitung technisch aufbereitet.

Da sich auf den Dachflächen Staubablagerungen befinden, die gefährliche Stoffe enthalten können, ist bei einer Einleitung des ungereinigten Dachwassers eine Gefährdung des Wasser durch wassergefährdende Stoffe zu besorgen. Der wasserrechtliche Erlaubnisantrag und das Immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für die Firma Theo Steil GmbH sind in diesem Punkt widersprüchlich.

10.   Entsorgungsfachbetrieb Elektroschrott

Die Firma Steil GmbH hat nach ESN Zertifikat eine zertifizierte Erstbehandlungsanlage gemäß § 21 ElektroG (https://www.steil.de/fileadmin/user_upload/01-gruppe/04-referenzen/03-zertifikate-agb/koeln/Schmuckzertifikat_Efb_Koeln_-_intern.pdf, die nach BImmSchV genehmigungsbedürftig ist.

Im Amtsblatt der Bezirksregierung Köln findet man Bekanntmachungen aus dem Jahr 2011 (Änderung Großschere), 2013 Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb einer Anlage zur zeitweiligen Lagerung von Eisen- und Nichteisenmetallen, sowie zur Behandlung und zum Umschlag von Eisen- und Nichteisenmetallen und anderen nicht gefährlichen Abfällen auf dem Betriebsgelände in 50679 Köln, Alfred-Schütte-Allee 6, Gemarkung Poll, Flur 36, Flurstück 900/225 sowie der Antrag aus dem Jahr 2019 für die Ansiedlung in Godorf. Wann wurde die Genehmigung erteilt und veröffentlicht?

11.   Standfestigkeit der kleinen Brücke zum Godorfer Hafen / Verkehrsgutachten

Bereits im Verfahren zur Erweiterung des Godorfer Hafens war die Standfestigkeit der kleinen Brücke zum Godorfer Hafen bei permanentem LKW-Verkehr in Frage gestellt worden. Die Standfestigkeit der Brücke muss gutachterlich bestätigt werden.

Mit Blick auf die äußerst schwierige Verkehrslage beim Ein- oder Ausfahren von bzw. auf die B 9 sollte ein Verkehrsgutachten gefordert werden, das auch die Frage des Schwenkbereichs als Einfluss auf den fließenden (Gegen) Verkehr beantwortet. Liegen hierfür aktuelle Zählungen der PKWs zu Stoßzeiten in den Morgen- und Abendstunden vor? Gerade zu diesen Zeiten staut es sich auf der A555 permanent und viele weichen auf die B9 aus. Erschwerend kommt das zu erwartende stärkere Verkehrsaufkommen bei der Fa. Ströer hinzu (s. Punkt 12).

12.   Fa. Ströer – stärkeres Verkehrsaufkommen

Die örtlichen – insbes. verkehrsmäßigen - Rahmenbedingungen für die Anwohner/innen werden sich weiter drastisch verändern. Im Rahmen eines städtebaulichen Planungskonzeptes plant die Fa. Ströer den Bau eines Bürogebäudes für 1.300 Mitarbeiter (zurzeit 300) und in diesem Zusammenhang den Bau von fast 1.000 Parkmöglichkeiten (u.a. Tiefgarage). Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die Auswirkungen im morgend- und abendlichen Berufsverkehr auf der B 9 vorzustellen.

13.   Neues Kraftwerk der Fa. Shell Godorf

Im Sommer 2019 wurden in Köln-Godorf die Bauarbeiten für ein neues Kraftwerk zur Dampf- und Energieerzeugung begonnen. Im Jahr 2021 soll das Kraftwerk schließlich den Betrieb aufnehmen, und dann werden die alten Kessel planmäßig schrittweise vom Netz gehen. Mit dem Bau und der Umstellung von Schweröl- auf Gasbefeuerung investiert Shell erheblich in den Standort, um sich für die Zukunft aufzustellen. Durch den Wechsel von Öl- auf Gasbefeuerung werden die Emissionen drastisch sinken und sich insoweit positiv auf die Lebensqualität auswirken. Allerdings haben die Anwohner während der gesamten Zeit der Baumaßnahmen mit starken Lärmbelästigungen zu kämpfen.

14.   Rheinspange A 553

Das Land NRW wird eine Autobahnbrücke und der Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH eine kombinierte Bahn-Radfahrer/Fußgängerbrücke zwischen Godorf und Wesseling bauen. Über die Trassenführung wird noch diskutiert, eine nahe dem Naturschutzgebiet Sürther Aue liegende Trasse gehört zu den verschiedenen Alternativen.

Sicher ist der Ausbau der Infrastruktur für die Mobilität mit hohen Prioritäten versehen. Auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Fa. Ströer ist grundsätzlich zu begrüßen.

Wenn hierdurch allerdings Schutzgüter wie Leben, körperliche Unversehrtheit (Art. 2 II Grundgesetz) und Eigentum der Anlieger verletzt werden und gleichzeitig Vorhaben gegen § 5 Abs. 1 Bundesimmissionsschutzgesetz verstoßen, werden die Anlieger mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln um die Erhaltung ihrer Lebensqualität kämpfen.

Grundsätzlich will die „Anlieger­gemeinschaft Sürther Aue“ konstruktiv an der weiteren Planung mitarbeiten, wenn Anwohner, Tier und Natur vor den Auswirkungen der Ansiedlung von Theo Steil im Rahmen der gesetzlichen Regelungen ausreichend geschützt werden. Denkbar ist eine Mitgestaltung des Emissions- (Lärm, Staub) und Sichtschutzes.

Dabei ist unser Ziel, das Naturschutzgebiet als natürlichen, topografischen Natursicht- und Schallschutz zu erhalten und zu gestalten, u.a. durch artverträgliche Biotope. Hierbei sollte der BUND und die Bürgerinitiative Hochwasser aus Rodenkirchen sowie die anderen Initiativen im Kölner Süden einbezogen werden. Damit könnte bei aktiver Beteiligung der benachbarten Godorfer und Sürther Bürger eine Verbesserung des neuen „Naturschutz- und Naherholungsgebietes Sürther Aue“ erreicht werden, z. B.

-      durch Aufforstung und Renaturierung und/oder mit Hochwassermulden / Grachten zum Hochwasserschutz und

-      Modulation vorhandener Kiesgründung in eine Schall- und Sichtschutzlandschaft.

Damit verbunden sollten Vorschläge für eine Verbesserung der Verkehrssituation erarbeitet werden mit z. B.

-      Verbindungstrasse Hafen zur Autobahn A555

-      Ausbau des Straßenabschnitts mit LKW-Spur 

-      evtl. Kreisverkehr an der Einmüdung Kerkrader Straße/Industriestraße

-      Durchfahrtverbot für Schwertransporte auf der B9 in Richtung Sürth und Köln   

Leider verweigerte sich die Häfen und Güterverkehr Köln AG als Eigentümer und Vermieter der Fläche an die Firma Theo Steil bisher einem frühzeitigen und auf die Betroffenen zugeschnitten Beteiligungsverfahren. Auch bei den letzten – von `für sürth´ organisierten - Bürgerinformationen, war die HGK nicht vertreten.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

In Vertretung

Gerd Conrads            Prof. Dr. Rolf Dillmann       Hortense Klein

„Anliegergemeinschaft Sürther Aue“

 

Anlage

Tabelle 5 des Lärmaktionsplanes der Stadt Köln

 

Durchschriften – per Mail - an:

Per Mail

`für sürth´

-z. H. Herrn Manfred Giesen-

manfredgiesen@t-online.de

 

Dorfgemeinschaft Sürth e.V.

-z. H. Frau Bettina Leitner-

dgs@suerth.de

 

Bürgervereinigung Rodenkirchen e.V.

-z. H. Herrn Dieter Maretzky-

info(@)buergervereinigung-rodenkirchen.de

 

Bürgerinitiative Hochwasser e.V.

-z. H. Herrn Thomas Kahlix-

Bi-hochwasser@gmx.net

 

BUND

Ortsgruppe Wesseling

-z. H. Herrn Joachim Scheffer-

joscheffer@me.com

Presseverteiler

An die Fraktionen

im Rat der Stadt Köln

An die Fraktionen in der

Bezirksvertretung Rodenkirchen

An alle Mitglieder und Unterstützer

der „Anliegergemeinschaft Sürther Aue“